Wurzeln und Wegbegleiter

Die musikalischen Wurzeln von Muzaffer Gürenç befinden sich in Anatolien. Anatolien war und ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Völker und bietet der türkischen Volksmusik einen soliden „Mutterboden“.
Muzaffer Gürenç wuchs im Dorf Ormanözü, nahe der Stadt Turhal (Provinz Tokat) auf.
Die Lebenswege der Menschen, die in einem alevitischen Dorf wie Ormanözü aufwachsen, werden von klein auf an mit türkischer Volksmusik und traditioneller alevitischer Musik begleitet. Mit musikalischen Überlieferungen werden Ideen und Werte der alevitschen Lebensweise von Generation zu Generation weitergegeben. Bei der Arbeit, auf dem Feld, bei Festen und familiären Ereignissen, aber auch bei den rituellen Zusammenkünften der alevitischen Gemeinschaft spielen Musik, Gesang und Tanz eine bedeutende Rolle.
 Bis heute gehören türkische Volksmusik und Gesang nicht nur in den ländlichen Regionen der Türkei, sondern auch in den türkischen Städten und Metropolen zum Alltag. Dort vermischt sie sich mit allen musikalischen Genres.
Und: sie begleitet die Menschen Anatoliens auch auf ihren Wegen in die Migration nach Europa. 

Muzaffer Gürenç begann – wie viele anatolische Jugendliche – im Alter von 16 Jahren das Spiel auf der türkischen Langhalslaute (türk. Bağlama oder Saz) zu erlernen.
Ende der 1970er Jahre wanderte er mit seinen Eltern und Geschwistern in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland aus. Die Bağlama und ein großer Schatz an türkischen Volksliedern waren ebenfalls im Gepäck.

Bei seinem Türkischlehrer Osman Aydemir verfeinerte Muzaffer Gürenç nicht nur sein Spiel auf der Bağlama, sondern wurde von der Liebe zur türkischen Lyrik „angesteckt“ und geprägt. Osman Aydemir war es auch, der seine  besondere Liebe zu Liedern der ägaischen Region geweckt hat. Musikalisches Vorbild für eine besonders schöne Interpretation dieser vielfältigen Ägais-Lieder ist einer der bedeutendsten  Sänger der Ägaisregion: Özay Gönlüm.

Özay Gönlüm sang die Lieder der Ägais im Dialekt seiner Heimatstadt Denizli, gab zahlreiche Konzerte in und außerhalb der Türkei und wirkte in zahlreichen Radio-und Fernsehsendungen für Erwachsene und Kinder mit. Ende der 60er Jahre erfreute Özay Gönlüm seine Fans auf der Kinoleinwand als Hauptdarsteller in einem der inzwischen zum Kult gewordenen Yeşilçam-Filme. Mit international bekannten Sängern wie Zeki Müren trat Özay Gönlüm seit den 70er Jahren regelmässig bei der Internationalen Messe Izmir auf.
Özay Gönlüm verstarb am 1. März 2000. In der Stadt Denizli wurde ihm Statue als ehrendes Andenken errichtet. Dort ist er mit seinem Markenzeichen, drei aneinanderbefestigte Zupfinstrumente (Bağlama, Cura und Tambura), die er alle zusammen  Yaren („Kamerad, Freund“) nannte.

Leben und Werke zeitgenössischer Schriftsteller wie Nazim Hikmet , Aziz Nesin, Yasar Kemal und Zülfü Livaneli haben das künstlerische Schaffen und Denken von Muzaffer Gürenç ebenso wesentlich beeinflußt, wie die traditionellen überlieferten Texte von Pir Sultan Abdal, Yunus Emre und Asik Veysel sowie das musikalische Werk von Ruhi Su.

In Deutschland nahm Muzaffer Gürenç Gesangsunterricht bei Gabriele Ibe-Beer aus Langenfeld/Rhld.

Als Liedermacher stellt sich Muzaffer Gürenç selbst die Aufgabe, lyrische Texte zu vertonen. Zu seinen aktuellen Werken gehören das Lied „Gidenlerin dilli“ dessen Text aus einer zeitgenössischen Übersetzung des Märchens „Leyla und Medschnun“ von Aziz Nesin stammt.

Im Mittelpunkt der Anfang 2011 erschienen CD „Hasretim“ steht das gleichnamige Gedicht von Ali Haydar Avci, der mit Muzaffer Gürenç freundschaftlich verbunden ist. „Hasretim“ ist ein Gedicht von der Kraft der tiefen Sehnsüchte und der Hoffnung auf  ihre Erfüllung.

Die CD „Hasretim“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Hakan Akay und dem internationalen Ensemble „PerSound“ und den Vokalistinnen Esra Dalfidan und Devrim Gürenc.

Muzaffer Gürenç tritt mit der internationalen Band "PerSound" auf.